Die Gründung

Bei einem Spaziergang im Bopserwald am 14. April 1868, so besagt die Überlieferung, kamen die Jugendlichen Eugen Bischoff, Fritz Gerok und Feodor Gnauth überein, sich künftig regelmäßig einmal in der Woche zu treffen und zusammen mit weiteren, gleichgesinnten jungen Leuten sich mit Literatur, Ästhetik, Kunst und auch mit philosophischen und religiösen Fragen zu befassen.

Aus dieser anfänglich losen Vereinigung entstand mit der Zeit ein Freundschaftsbund, der sich im Zusammenhang mit dem politisch-wirtschaftlichen Geschehen in Deutschland und dem Werden der Technischen Hochschule Stuttgart zur Korporation entwickelte.

Die wöchentlichen Zusammenkünfte der Literaturfreunde fanden abwechselnd in den Wohnungen der Eltern statt. Neben dieser Gruppe, die den Spitznamen "Les-Käs" bekam, bildete sich ein zweiter Kreis, der sich losgelöst von den Familienbanden mehr dem studentischen Treiben widmete. Man traf sich in einem Gasthaus, genoss ein Glas Bier, sang Lieder, debattierte und schrieb eine Kneipzeitung, ein Witzblatt, das "Die Laus" genannt wurde und das dieser Vereinigung den Übernamen "Lausklub" eintrug.

Les-Käs und Lausklub lebten nebeneinander her, bis die Freunde beschlossen, sich enger zusammen zu schließen. Dies geschah am 1. März 1872, und in den beschlossenen Statuten wurden u. a. zwei Grundsätze festgelegt, denen der Gaudeamus bis heute treu blieb: die Verpflichtung der Mitglieder zu Vorträgen und die Einrichtung und Pflege einer Bibliothek.

Die Entwicklung zur Akademischen Verbindung

Zu den jungen Leuten, die zumeist aus dem Eberhard-Ludwig-Gymnasium gekommen waren, gesellten sich in den folgenden Jahren immer mehr Studierende des Polytechnikums, weshalb sich die Vereinigung ab August 1875 "Polytechnische Gesellschaft" und am 21. März 1876 den Namen "Gaudeamus" annahm.

Diesem Umstand ist es zu verdanken, dass sich der lose Freundschaftsbund zu einer Korporation entwickelte, die sich nach Erhebung des Polytechnikums zur Hochschule am 3. Juni 1890 die Bezeichnung "Akademische Verbindung" gab. Seit dieser Zeit sind Wahlspruch, Zirkel, Wappen und die Farben unseres Bundes vorhanden.

Die Verbindung hielt sich über lange Jahre und ging ihren Weg auch in den damaligen politisch und wirtschaftlich wirren Zeitläufen. Sie überstand den Ersten Weltkrieg und hielt auch während der Weltwirtschaftskrise durch. Doch dann kam der Nationalsozialismus und mit diesem das Ende der Korporationen. Nach einem nur kurzzeitig währenden Beitritt zur Deutschen Burschenschaft wurde am 15. Mai 1936 dem Rektorat der Hochschule mitgeteilt, dass die Burschenschaft Gaudeamus aufgehört habe, zu bestehen.

Der Altherrenverband unterstützte aber auch weiterhin zusammen mit Arminia und Hilaritas die "Kameradschaft Lüderitz" im NSDSTB. Die Kameradschaft Lüderitz war es auch, aus der nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs unser Bund wieder entstand: Am 28. Februar 1947 erhielt die "Akademische Gesellschaft Gaudeamus" die Lizenz der Militärregierung. Die Umbennung erfolgte dabei bewusst und wohlüberlegt.

Es folgte 1952 wiederum der Beitritt zur Deutschen Burschenschaft. Als diese jedoch 1954 die Einführung der Bestimmungsmensur beschloss, was vom Gaudeamus konsequent abgelehnt wurde, wurde diese Mitgliedschaft wieder beendet. Bei dieser Gelegenheit kam man auch überein, zukünftig wieder den alten Namen "Akademische Verbindung Gaudeamus" zu führen. Und daran hat sich bis heute nichts geändert.